Stop and smell the orange blossom – Marrakesch

Marrakesch, die „Perle des Orients“ – ein magischer Ort voll Wärme und Licht, Zauber und Farben, dampfender Garküchen und Gewürze. Eine knappe Woche wurdest du uns zum Zuhause, hast uns aufgenommen in deine wilde Herrlichkeit! …wie jedes Mal verspreche ich dir: à bientôt! 20150307_155938

Eine Woche „Marrakshi Baja“ – gewünscht, geschenkt: Mama-Tochter-Urlaub in einer der vier magischen Königstädte Marokkos. Bereits auf dem Hinflug zeigt sich der Himmel von seiner besten Seite, Marrakesch-Ménara empfängt uns mit strahlendblauem Himmel und warmen Sonnenstrahlen.

20150305_173543Als nächstes heißt es, ein Taxi zu bekommen und einen angemessenen Preis nach Azzouzia auszuhandeln. Nach einigen Diskussionen sind wir erfolgreich und werden zu unserem Appartment chauffiert- or so we thought!

Der Taxifahrer lässt uns aussteigen, das Viertel stimmt, aber den richtigen Block gilt es erst zu finden. Zum Glück sind die Marrakshi nicht nur herzlich, sondern auch seeehr freundlich und hilfsbereit und ratzfatz bietet sich ein junger Mann an, uns einmal um den Block zu chauffieren. Spannend fühlt sich das schon an, ein wenig unbedacht – aber natürlich geht alles gut uns kurz darauf sind wir angekommen. Nachdem die Koffer verstaut sind, erkunden wir unsere Umgebung und gehen in der Nachbarschaft Obst, Milch und Brot einkaufen – den verführerischen Düften aus der Metzgerei nebenan können wir nicht wiederstehen und bestellen, ohne zu fragen, was da genau so gut riecht. Unser „Mut“ wird belohnt: dichter, orientalischer Gewürztango auf der Zunge, zartes Fleisch in knusprigem Fladenbrotmantel – am Ende war es Rindermagen, wer hätte gedacht, wie gut das schmecken kann!

Wir beschließen, unseren ersten Tag mit einem Besuch des Souks zu beginnen und das Quartier Mellah, das jüdische Viertel, zu besuchen. Mit dem Bus in die Stadt – heute reicht es nicht ganz aus, Französisch zu sprechen doch auch mit Händen und Füßen und radebrechenden arabischen Wortfetzen können wir uns verständigen und fahren schließlich für 4 Dirham, umgerechnet etwa 40 cent, bis ins Zentrum. Die Stadt heißt uns mit ihrem charakteristischen, dichten Duft  nach Orangenblüten willkommen.

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Am Djemaa el Fna angekommen beschließen wir spontan, eine echte Führung durch den Souk zu machen und haben rasch unseren Stadtführer an der Seite, der sich, fröhlich seinen Bauch reibend, mit den Worten „Bonjour, on m’appelle Couscous“ vorstellt.

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Als erstes erklärt er uns, die Bedeutung des Djemaa el Fna im Arabischen sei in etwa „Versammlung der Toten“. Dieser Name rühre daher, dass die Sultane den Platz zur Zeit der Almohaden als Hinrichtungsstätte genutzt und hier aufgespießte Köpfe zur Schau gestellt hätten. Am Abend herrsche hier ein buntes Treiben mit Schlangenbeschwörern, verschiedensten Essensständen (der Platz steht des Nachts förmlich in Flammen), Tänzern, Magiern und den obligatorischen Hennakünstlern. Die Atmosphäre nimmt uns in ihren Bann, die Sonne brennt schon jetzt, früh am Morgen, vom Himmel und die Kühle unter den Dächern des Souk umarmt uns sanft, als wir uns zu dritt in die Tiefen des Marktes aufmachen.

20150306_115026Habe ich selbst Marrakesch schon einige Male besucht, so ist es für meine Mutter der erste Besuch in Marokko überhaupt – und der Zauber setzt sofort ein. Sie lässt sich fesseln von Couscous‘ Geschichten und Märchen und spätestens, als wir auf den „wahren Souk“, so Couscous, hinter den „Champs Elysées“, also dem touristischen Teil des Marktes, angekommen sind, bin auch ich im Rausch der Farben, Düfte und Geräusche. Wir werden in die Kunst des Färbens eingeweiht, führen Gespräche mit Standinhabern, diskutieren über Preise und Weltanschauungen und bekommen sogar angeboten, den Meißel an eine der blechernen Vasen anzusetzen, die hier, im verborgenen Teil des Souks, tatsächlich von Hand gefertigt werden und so gar nichts gemein haben mit dem, was auf den leichter zugänglichen Bereichen des vorderen Souks verkauft wird. Ein Wunderland hinter dem Wunderland, welches sich uns dank Couscous‘ Ortskenntnis eröffnet.20150306_124422

Pünktlich zum Mittagsgebet sind wir denn auch beim Herboriste mit vollen Tüten – wenn denn schon kein Teppich, dann zumindest Savon Noir, Wundertee und Arganöl für uns Touristen 😉 – mit dem Einkauf fertig und um einige Insights in Sachen Kräutersammeln und –aufbewahren und die Herstellung von Weihrauch und anderer Herrlichkeiten reicher.

Couscous bedankt sich überschwänglich und eilt mit wehendem Kaftan zur Moschee.

Wir schlendern indes gemütlich weiter und bestaunen im Vorübergehen, wie der eben noch so geschäftige Djemaa el Fna zur öffentlichen Gebetsfläche wird und schlagartig Ruhe einkehrt, die nur von den eindringlichen Gebeten der Gläubigen unterbrochen wird.

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Die Rufe des Mouezzins noch im Ohr lassen wir uns in Richtung Mellah treiben, vorbei an den „Grandes Bijouteries“, über den „Place des Ferblantiers“ und schließlich noch zu den weltberühmten farbenfrohen „Tombeaux Saadiens“. Auf unserem Weg biegen wir munter rechts und links ab was mitunter dazu führt, dass wir uns komplett verlaufen- uns aber auch zu einer Oase inmitten der Medina führt: das „Café d’Epices“ liegt mit einem Male einladend direkt vor uns und wir beschließen, bei Lait à l’avocat und Jus d’avocat à l’orange et datte eine Pause im kühlen Schatten zu machen. Auf dem Rückweg, auf dem wir uns ebenfalls in den kleinen Gassen verirren und dadurch einige verzauberte Plätze kennenlernen, kommen wir am „Palais Badi“ vorbei, auf dessen Mauern hunderte Cigognes, Klapperstörche, ihr Zuhause gefunden haben.

20150307_13283120150307_132257Tag zwei steht ganz im Zeichen der Farbe blau. Blau steht für Unendlichkeit und Weite, Schutz vor dem bösen Blick, für Kühle und Reinheit – unzählige Blautöne gibt es in Marokko, einer der bekanntesten ist sicher das Bleue Majorelle, benannt nach dem französischen Künstler Jacques Majorelle, der damit seine Villa und den dazugehörigen Park, der heute gegen kleines Entgelt besichtigt werden kann, einen ganz eigenen Zauber verlieh. Die Jardins Majorelles, zu finden in der Rue Yves Sait Laurent, sind eine grüne Oase der Ruhe inmitten dieser geschäftigen, scheinbar niemals schlafenden Stadt. Im Jahr 1980 kaufte der Modeschöpfer die Anlage, stets galt der Garten ihm als besondere Inspirationsquelle. Im Rosengarten der Anlage wurde die Asche Saint Laurents nach dessen Tode verstreut und ist heute Pilgerstätte für Modebegeisterte.

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Im Garten selbst findet man Pflanzen aller fünf Kontinente, insbesondere außergewöhnliche Kakteen und Bougainvillea, außerdem das Islamische Kunstmuseum von Marrakesch, in welchem Keramiken und Gemälde von Majorelle zu sehen sind sowie Textilien aus der privaten Sammlung Yves Saint Laurents. Am eindringlichsten ist jedoch der Einblick in Kultur, Herkunft und Kunst der marokkanischen Berber-Stämme, den man im Musée Berbère erhält.

Unbedingt zu empfehlen ist zudem eine kleine Pause im Café der Jardins Majorelles – bei Tee und Briouats lässt es sich im Schatten der Orangenbäume herrlich entspannt sitzen und den weiteren Tagesverlauf planen.20150307_144005 20150307_145558

Unser Entschluss? Weiter entspannen und auf in’s Hammam!

Ein Besuch im Hammam sollte bei keinem Marokko-Besuch fehlen, es entspannt nicht nur Körper und  Geist, die Gommage (Massage mit dem Kes, einem festen Massagehandschuh) hinterlässt zarte Haut wie wohl keine andere Anwendung es vermag. Aber Achtung: babyzarte Haut hat ihren Preis: sogenannte Hautspaghetti werden sich en masse zu Euren Füßen kringeln! Die Damen der Hammam sind nicht kleinlich mit der Vergabe Ihrer Massagekraft und die schwarze Seife löst auch jede noch so festsitzende alte Hautschicht ab. Der Lohn: monatelang zarte, weiche Haut, tiefere Bräune, außerdem absolut entspannte Muskulatur und ein freier Kopf für noch mehr neue Eindrücke.

Tip:

Tiefenentspannung im Dampfbad mit anschließender Gommage und Massage: sehr zu empfehlen ist zum Beispiel das eher einfach gehaltene, traditionelle Hammam Baa Doukkala, Rue Bab Doukkala, oder, moderner und weniger traditionell, aber nicht weniger entspannend: Le Bain Bleu, 32 Derb Chorfa Lakbhir.

Essaouira. Mee(h)r blau, Fische und Krabben frisch vom Kutter, Bootsbau im Hafen und unendlicher Sandstrand mit stetigem Rauschen des Meeres füllen unseren Tag. Schon am Vorabend haben wir bei Supratours ein Busticket erworben, für umgerechnet 7 Euro pro Strecke fahren wir im klimatisierten Bus (nebst freiem W-Lan!) von Marrakesch bis zum Hafen Essaouiras. Sie ist tiefenentspannt, fast gelassen, diese weiße Stadt am Atlantik, eine Hochburg für Künstler und Mekka der Surfer, die von überallher nach Essaouira strömen und dem Wind, der an 260 Tagen im Jahr Gischtfontfänen gen Himmel peitscht, huldigen.

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Die Stadtmauer wirkt wie ein Schutzwall. Als wir durch eines der mächtigen Tore treten, ist es mit einem Mal windstill und die Festungsanlage schluckt jedes Geräusch. Sie geht auf die Portugiesen zurück, war wichtiger Handelsplatz im 18. Jahrhundert und erscheint doch so europäisch: der Grundriss der Stadt wurde von einem französischen Ingenieur entworfen und so führen schnurgerade Straßen durch die arabische Stadt. Hier drehte Orson Welles im Jahr 1952 seinen Film Othello , Ridley Scott 2004 Szenen für seinen Film Königreich der Himmel und seit 2013 bildet Essaouira außerdem einen der schönsten Drehorte der BBC-Serie Game of Thrones.

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Im 20. Jahrhundert sollte es mit dem Reichtum, der Schönheit und dem Einfluss Essaouiras ein Ende haben – Casablanca war vom neuen Sultan als Hafen- und Umschlagzentrum erwählt worden und die Zukunft der Stadt stand auf der Kippe. Unter anderem Jimmi Hendrix, welcher sich seinerzeit für einige Zeit hier niederließ, und seinen Anhängern ist es zu verdanken, dass Essaouira Bestand hat. Als Königstadt, Reiseziel kulturinteressierter Touristen und nicht zuletzt als Künstlermetropole.

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Noch ein Hinweis: es gilt in Marokko (aber wohl auch an sich überall auf der Welt) als äußerst unhöflich, Menschen ungefragt zu fotografieren. Auch auf Grund der Glaubenszugehörigkeiten – bitte nehmt hierauf Rücksicht!

Marokko ist ein Land der Mythen, Farben und Düfte; die Menschen sind gütig und herzlich und ich kann jedem nur eine Reise in dieses Land der Vielfalt empfehlen!

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